Mekong Delta Rudern

Saigon & Mekong-Delta

Von Hängematten und Heiratsanträgen

„Ho-Chi-Minh-Stadt“. Klingt doch irgendwie sperrig, oder? „Saigon“, da werden Emotionen und Fantasien geweckt. Das klingt nach Fernost, nach Abenteuer, nach etwas Exotischem, Unbekanntem. Wir sind also in Saigon angekommen. Wie immer, wenn wir in größeren Städten sind, dürfen zwar ein paar wichtige Sehenswürdigkeiten im Programm nicht fehlen, aber den Rest der Zeit verbringen wir mit Bummeln, Schlendern und zufälligem Entdecken.

Saigon Notre Dame Kathedrale

Unser erstes Ziel ist ein für Vietnam völlig untypisches Gebäude: die Kathedrale Notre Dame. Dass sie so heißt und mit ihren beiden Glockentürmen verloren zwischen asiatischer Architektur steht, verdankt sie der französischen Kolonialherrschaft über Vietnam, die bis zum Zweiten Weltkrieg andauerte. Auf der Suche nach einem Fotospot für das perfekte Bild des Gotteshauses entdecken wir im gegenüberliegenden Einkaufcenter eine Dachterrasse und beschließen, es dort zu versuchen. Leider müssen wir – oben angekommen – feststellen, dass die Aussichtsterrasse aktuell geschlossen ist. Ein freundlicher Mitarbeiter des angrenzenden Restaurants führt uns aber zu einem Fenster mit der gewünschten Aussicht. Das Fenster ist sehr hoch, sodass Steffi auf das Sims klettern muss. Als uns ein Sicherheitsmann anherrscht, das zu unterlassen, ist das Bild bereits im Kasten und wir sind glücklich.

Ein weiteres Mal erregen wir Anstoß, und zwar an der Ho Chi Minh City Hall. Das prunkvolle Gebäude wurde nach dem Vorbild des Hotel de Ville in Paris errichtet. Davor steht allerdings eine überlebensgroße Statue des Revolutionärs Ho Chi Minh, nach dem Saigon umbenannt wurde. Gleich mehrere Männer mit Trillerpfeifen passen auf, dass man dem guten Mann nicht zu nahe kommt. Nun sind wir aber stets neugierig und werden dann doch einmal im wahrsten Sinne des Wortes zurückgepfiffen. Mit ihren verdienten Persönlichkeiten verstehen die sonst so herzlichen Vietnamesen keinen Spaß.

Saigon Statue City Hall
Saigon Tempel Räucherspiralen

Am nächsten Morgen beschließen wir, von unserer Unterkunft aus einfach loszuziehen, um die geheimnisvollen kleinen Seitenstraßen und die Garküchen Saigons zu entdecken. Bei unserem Bummel stoßen wir auf einen Tempel, der schier aus allen Nähten platzt. So viele betende Menschen auf einem Haufen haben wir selten gesehen. Unter dem Dach hängen Dutzende Räucherspiralen. Inzwischen wissen wir, dass diese die Wünsche der Gläubigen in den Himmel tragen sollen. Ein Mann, der unser Staunen bemerkt, erzählt uns, dass manche dieser Spiralen einen ganzen Monat lang brennen. Ob diese Variante wohl für all jene gedacht ist, die eine besonders lange Wunschliste haben?

Ein paar Gassen weiter werden wir lautstark motiviert, den angeblich besten Eiskaffee von Saigon zu probieren. Da sich nur wenige Touristen hierher verirren, freut sich die Wirtin des Straßencafes über uns westlich aussehende Besucher. Ehrlich gesagt freut sie sich ganz besonders über mich und gratuliert Steffi gleich mehrfach zu ihrem guten Fang, was ich natürlich nur bestätigen kann. Als sie dann erfährt, dass wir nicht verheiratet sind, macht sie mir prompt einen Antrag. Steffi steckt dann aber doch die „Besitzverhältnisse“ ab und wir halten uns alle gemeinsam die Bäuche vor Lachen. Hochzeit hin oder her, der Eiskaffee war wirklich außergewöhnlich lecker!

Saigon Kaffee Marco
Saigon Hängematte

Saigon besteht allerdings keinesfalls nur aus niedlichen Gässchen. Glitzernde Fassaden, Horden von voll bepackten Motorrollern und ausgiebiges Hupen prägen das Stadtbild ebenso. Einen starken Kontrast hierzu versprechen wir uns von unserem Ausflug ins Mekong-Delta. Per Bus geht es in Richtung Südosten, wo der Mekong sich in unzähligen Flussadern verliert, die schließlich im Südchinesischen Meer münden. Auf dem Weg dorthin macht der Bus einen Zwischenstopp für eine kurze Pause. Und was sehen wir da am Straßenrand? Hängematten! Nichts wie rein. Also wiegen wir uns ganz entspannt bei einer Tasse Kaffee (ja, die Vietnamesen machen wirklich guten Kaffee) und kommen mit einem Einheimischen ins Gespräch. Er erzählt uns, dass Hängematten in Vietnam nicht Außergewöhnliches sind und gerne für ein Nickerchen in der Mittagshitze genutzt werden – egal ob im Park oder direkt am Straßenrand. Wie wir uns so unterhalten, vergessen wir ganz die Zeit und sind die Letzten, die noch in den Bus springen, bevor er wieder losfährt.

Unser nächster Halt ist die Vinh Trang Pagode bei My Tho. Bereits von Weitem empfängt uns ein breit grinsender Buddha, der auf dem Gebäude thront wie auf einer Toilettenschüssel. Aus der Nähe zeigt sich dann, wie gepflegt und detailreich die wunderschöne Pagode ist. Wir haben das Glück, dass im Inneren gerade ein Gebetsritual stattfindet und schleichen uns auf leisen Sohlen in den heiligen Raum. Dort finden wir uns inmitten orangefarbener Gewänder wieder, deren Träger förmlich in Trance sind. Wir schauen uns an und wissen: Das ist wieder einer dieser besonderen Momente auf Reisen.

Als wir dann in einem kleinen Boot sitzen und mit unseren Paddeln durch das trübe, aber unglaublich ruhige Wasser des Mekong-Deltas pflügen, ist es schon wieder da, dieses Gefühl, etwas Unvergessliches zu erleben. Wir tragen Reisstrohhüte, halten in kleinen Dörfern, um Süßigkeiten aus Kokos zu kosten und schippern durch die üppige Natur. Was bleibt, sind ganz viele tolle neue Eindrücke. Und ein Tipp für alle Vietnam-Reisenden: Das Mekong-Delta verdient definitiv einen mehrtägigen Aufenthalt.

Saigon Stadt Urban Life
Saigon Buddhistischer Mönch

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